Der Alte Hof

 

 

 

 

Fernab vom Trubel am Marienplatz kommt ein Halt am Brunnen im Alten Hof gerade recht. Von hier aus ist der Blick frei auf das historische Gemäuer. Dass der Alte Hof, auch Ludwigsburg genannt, die erste Residenz der Wittelsbacher war und dass sich um den auffälligen Erker im Innenhof eine Affensage rankt, ist den meisten Münchnern

bekannt. Aber dass hier jene Frau einige Zeit verbrachte, deren Liebestragödie

lange im Volkslied lebte und über die Jahrhunderte immer wieder

literarisch und musikalisch aufgegriffen wurde, wissen die wenigsten:

Agnes Bernauer.

 

Im Fasching 1428 verlieben sich die 17-jährige Baderstochter aus

Augsburg und der Thronfolger des Herzogtums Bayern-München,

Fürst Albrecht von Wittelsbach, ineinander. Spätestens ab dem

Sommer 1432 ist Agnes eine feste Größe am Münchner Hof. Wenn auch

nicht gern gesehen. Sieben Jahre lang steht das Paar zu seiner Liebe und

gibt sich heimlich das Ja-Wort. Herzog Ernst kann die unstandesgemäße

Verbindung seines einzigen Sohnes mit der im Geruch einer Hure stehenden Frau

nicht akzeptieren. Er sieht die Erfolge der Wittelsbacher gefährdet und schmiedet

einen teuflischen Mordplan.

 

Der Herzog lässt Agnes in Abwesenheit Albrechts verhaften und wegen Zauberei

anklagen. Ein Henker bekommt den Befehl, sie bei Straubing in der Donau

zu ertränken. Agnes stirbt einen qualvollen Tod. Ihr Geliebter kann das Unglück

nicht fassen. Aus Wut und Trauer verbündet er sich mit einem Feind, dem

Ingolstädter Herzog, und zieht eigene Truppen an sich, um Rache am Vater zu

nehmen. Doch nur wenige Wochen nach dem Mord versöhnt er sich mit seinem Vater

und heiratet die standesgemäße Anna von Braunschweig.                          Corinna Erhard