Die Feldherrnhalle

 

 

 

Graf und Fürst unter einem Dach

 

Wer sind eigentlich die beiden Männer in der Feldherrnhalle? Links: der kaiserliche

Feldherr Graf Johann Tserclaes von Tilly. Rechts: der bayerische Generalfeldmarschall

Fürst Carl Philipp Joseph von Wrede. Diesen beiden Anführern setzte

König Ludwig I. am Odeonsplatz ein Denkmal. Den Auftrag für die

Gestaltung der Bronzestatuen erteilte er dem Bildhauer Ludwig

von Schwanthaler, der schon die Bavaria entworfen hatte.

 

Die beiden Persönlichkeiten, die mehr als 160 Jahren unter dem

selben Dach stehen, haben sich zu Lebzeiten nicht kennen gelernt.

Tilly war Oberbefehlshaber der katholischen Liga-Tuppen im Dienste

des Kurfürsten von Bayern. Nach der Absetzung des kaiserlichen

Feldherrs Wallenstein führte er ab 1630 als Oberkommandierender

das kaiserliche Heer. Tilly war bekannt für seinen politischen Ehrgeiz,

seine Strenge und Pünktlichkeit. Im Volksmund nannten ihn die Bürger

in Anspielung auf seine Ausbildung als Jesuit und seine enthaltsame

Lebensweise den „geharnischten Mönch“. Neben Wallenstein und König

Gustav Adolf von Schweden gilt Tilly als einer der herausragendsten militärischen

Führer im Dreißigjährigen Krieg. Er schlug für Kaiser und Kurfürst 38 Schlachten,

von denen er nur zwei verlor. Tilly starb mit 73 an den Folgen einer Verwundung

im Jahr 1632 in Ingolstadt. 

 

Feldherr Wrede spielte zur Zeit der Napoleonischen Befreiungskriege eine große Rolle.

Nicht zuletzt auf sein Betreiben schloss das Königreich Bayern eine Allianz gegen Napoleon. Als Führer der bayerischen Truppen vertraute ihm Bayerns König Max I. Joseph 1814 die politischen Verhandlungen mit den Alliierten an. Endgültig geregelt wurde die Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress, zu dem die Münchner den tüchtigen und schlauen Marschall Wrede als Bevollmächtigten entsandten. Dort verhandelte er mit europäischen Monarchen und Staatsmännern wie Fürst Metternich. Auch nach 1815 engagierte sich Wrede politisch und wirkte wesentlich an der Bayerischen Verfassung

von 1818 mit. Wrede starb 1838 im mittelfränkischen Ellingen.                Corinna Erhard