Der Marienhof

 

 

 

 

Der Park im Marienhof - eine Errungenschaft der Stadt. Bis zur Fußball-WM 2006

war alles Baustelle. Unterirdisch wurde ein zweiter U-Bahn-Tunnel verlegt.

 

Wo sich bei guter Witterung Mütter mit Kindern sonnen, Kaufhauskunden sich vom Shoppen erholen und Touristen idyllische Motive mit dem Fotoapparat einfangen,

stand früher ein Haus neben dem anderen. Bis zum Zweiten Weltkrieg war

der Marienhof dicht bebaut. Hier gab es Einzelhandelsgeschäfte, Arztpraxen

und Anwaltskanzleien mit Wohnungen in den oberen Geschossen.

Bei Bombenangriffen 1944 fällt auch das Marienhofviertel in Schutt

und Asche. Fortan erstreckt sich hier eine trostlose Kriegslücke.

Kaum ist der Platz von den Trümmern frei geräumt, nehmen

ihn Autofahrer in Besitz. Als in den 50er Jahren Pläne diskutiert

werden, den Platz mit einem riesigen Baukomplex zu bebauen,

protestieren die Münchner für ihre 400 zentral gelegenen Stellplätze.

Der Aufschrei kommt an.

 

Bis in die 80er Jahre bleibt die Idee einer Tiefgarage im Gespräch.

Für die Olympiade 1972 wird hier ein Info-Pavillon aufgestellt, umgeben

von Parkplätzen und einer Grünfläche. Ab 1974 wird der Platz zum

Dauerprovisorium und dient als Festplatz zum Beispiel für das Weinfest

und den Christkindlmarkt. Was soll nur aus dem Marienhof werden?

Diese Frage beschäftigt die Stadt lange Zeit. Fest steht: Ein Provisorium

darf er nicht bleiben. Die Vorschläge reichen vom Bau einer Stadtbücherei,

eines Kindergartens, einer Touristeninformation bis hin zur Anlage eines

Biergartens oder eines Spielplatzes.

 

Die Entscheidung fällt schließlich auf einen Park. Gras und Bäume sind gut

fürs Stadtklima, und überhaupt gab es bis 1990 in der Altstadt wenig Grün.

                                                                                                                    Corinna Erhard